Gute Diskussion, schlechte Diskussion
Eine gute Diskussion, so wie ich sie gerne führe, ist eine spannende Sache. Ermöglicht sie mir meinen -, gegen den Standpunkt anderer Personen zu vergleichen, prüfen, zu festigen oder zu revidieren.
Sie ermöglicht mir auch, Personen besser kennen zu lernen und ihre Einstellung bezüglich Themengebieten zu ergründen.
Bei der Diskussion steht der friedliche Austausch von Meinungen im Vordergrund, nicht das gegenseitige “Abschlachten” auf einem verbalen Kriegsschauplatz.
Um diese Bereitschaft mitzubringen sind jedoch einige Voraussetzungen notwendig. Der oder die Diskutant/in muss erkennen, wann eine Aussage mehr oder weniger gewichtet wird, muss in der Lage sein, sich auf die Argumentationen der Personen gegenüber einzulassen.
Gelingt dieses, diskutiert man auf gleicher Augenhöhe. Die Diskussion so wie ich sie verstehe, ist nicht das Mittel der Wahl, jemanden zu denunzieren – dazu greift man z.B. zu populistischen oder polemischen Sprachmitteln.
Das “abschmettern” von Argumenten der Diskutanten ohne Angabe von echten Gründen ist bestenfalls unschön, im eigentlichen Sinn unnötig denn man läuft Gefahr, sehr tief im eigenen Niveau abzurutschen.
Auch das vorwerfen von Gedankensprüngen oder Themensprüngen ist unschön, sollte bei einem provozierten “Themensprung” der eigene Standpunkt überprüft werden ob er überhaupt mit dem Diskussionsthema übereinstimmt: ich habe (leider) viele “Diskussionen” erlebt, bei denen sich hinterher herausstellte, dass man lange Zeit an einander vorbei gesprochen hat.
Problematisch wird so eine Situation immer dann, wenn die Diskutanten sich durch dieses aneinander vorbei persönlich angegriffen fühlen. Unbeteiligte empfinden das dann oft als aufgeheizt, wenig attraktiv um selbst vielleicht die eigene Meinung zu vertreten oder sich selbst eine zu bilden.
Aber auch Diskutanten empfinden so ein Verhalten oft als persönliche “Kriegserklärung” und verlieren nicht nur schnell die Lust an der Diskussion sondern reagieren gereizt oder verschreckt oder im schlimmsten Fall verärgert.
Auch zeugt es nicht von gutem Stil, andere vorzuhalten, man würde sie nicht ausreden lassen obwohl man selbst genau diese Linie fährt. Das mag unbewusst so sein, genau aber eben diese Unbewusstheit ist es, die es zu vermeiden gilt.
Denn, kontrolliert man seine Emotionen (man erinnere sich: es geht nicht um einen verbalen Krieg!), oder noch besser, beobachtet man sich und seine Diskutanten aus einer gewissen Distanz – quasi als virtueller Zuschauer – lernt man nach meiner Auffassung am meisten über sich selbst und auch über das miteinander zwischen Personen.
Fairness geht vor – was jetzt nicht heißt dass eine Diskussion feste Regeln haben muss wie ein politisches Fernsehinterview wo es oftmals nur um Selbstdarstellung der Teilnehmer geht.
Ich spreche von Fairness wie z.B.
- das oben angesprochene ausreden lassen
- das unaufgeregte Gespräch miteinander und nicht gegeneinander
- frei von Polemik gegen Personen und wenn dann “kontrolliert” um z.B. ein Argument ad absurdum zu führen
- frei von Aggressionen
- dem Gegenüber die Möglichkeit geben, seine Standpunkte darzulegen
- dem Gegenüber die Möglichkeit geben, seine Gedanken zu sortieren und auszusprechen
- Verständnisfragen offen anzusprechen
- dem “Mut zur Lücke”, auch mal offen auszusprechen dass man über das Thema nicht bescheid weiß
- Irrtümer einräumen
- Seine Standpunkte zu überprüfen
- eingeräumte Irrtümer zu akzeptieren
- andere Meinungen zu akzeptieren
- höflich im Umgang miteinander bleiben
- so objektiv wie möglich zu bleiben
- einen festgestellten Themensprung innerhalb der Diskussion zum Anlass nehmen, kurz und knapp aber offen klarzustellen, dass man über das gleiche Thema spricht
- Fehler des Gegenüber zu akzeptieren und sie ihm nicht vorzuhalten
Ich glaube das wir alle noch viel lernen müssen, gerade auf das unaufgeregte Gespräch bezogen. Viele Leute sind nicht in der Lage zwischen Diskussion und persönlichem Krieg zu unterscheiden.
Schade, sehr schade - ist ein Verstoß gegen diese Grundsätze für keinen der beteiligten Personen befriedigend und jeder verlässt den Kriegsschauplatz in dem festen Glauben er/sie wäre der Sieger und wird dieses auch so bei künftigen Unterhaltungen vertreten. Die Wahrheit ist aber, dass alle beteiligten nichts dabei gewonnen oder gelernt haben.
Sie haben sich erfolgreich selbst inszeniert: Gratulation.












