Das Problem mit den Lobbyisten

Das Problem mit der Lobby – jeder hat eine. Bei einigen Themen ist das ja sogar noch durchaus wünschenswert – geht es ausnahmsweise mal nicht um Geld, Macht oder Manipulation sondern um Bürgerrechte, Rechte für Tiere und soziale Dinge.

Einige Lobbyverbände sind aus Verbrauchersicht jedoch so überflüssig wie der “Pickel am Arsch”. Sie treten meist nur dann auf, wenn es darum geht, die eigenen finanziellen Interessen durchzusetzen oder den (legalen) Verbrauchern mehr und mehr in Konsumgewohnheiten reinzureden bzw. diese zu beschneiden.

Ein schönes Beispiel ließt man dieser Tage auf golem.de. Dort wird erwähnt, dass die Lobby der Phonoverbände – nicht gerade bekannt für ihr Verbraucherfreundliches Verhalten – im Vorfeld der Novellierung des Urheberrechts über Umsatzeinbußen von 40% klagt. Das tut sie jedoch schon seit Jahren.

Ein mitfühlender Verbraucher könnte sich so genötigt fühlen, spontan in Tränen auszubrechen und aus Solidarität eine CD von “Heino” oder etwas ähnliches geschmackvolles/-loses (je nach persönlichem Gusto) zu kaufen – nur damit die “armen” Künstler nicht gezwungen sind, morgen mit dem dummen Konsumenten-Pöbel beim Bäcker um die Ecke für ein Brötchen anzustehen. Untragbar – Wo kämen wir denn da hin?!?

Neuste Idee dieser kreativen Lobbyvereine: “intelligente Aufnahmesoftware” verbieten. Das Wort “intelligent” soll hier von dem eigentlichen Übel ablenken: Aufnahme! Aufnahme ist für die Phonoindustrie in Verbindung mit dem Verbraucher offenbar ein absolutes Unwort (übrigens äquivalent zu der Filmindustrie).

Wenn man einmal rekapituliert…

  • trotz Verbot von bösen, bösen Tauschbörsen,
  • trotz so genialer Kopierschutztechniken (“UnCDs“) welche einem zwar das Kopieren von CDs unmöglich machen (sollen) – das Anhören der CDs jedoch auch
  • trotz massivem Einsatz von Rootkits,
  • trotz Unmengen an Geld für erzieherische Werbung (Stichwort: “Aufklärung” des Verbrauchers),
  • trotz irrwitziger (die Geldbeträge – nicht die Verfahren) Massenklagen gegen Personen welche ein paar MP3 Songs auf der Platte hatten,
  • trotz extremst überteuerter legaler Audio Downloads,
  • trotz DRM und ähnlichem “digital waste” der es dem Käufer (also derjenige welcher Geld bezahlt) verbietet, die somit “gekaufte” Musik in der Weise für sich zu nutzen, wie er/sie/es gerne möchte,
  • trotz Einschüchterung und Verunsicherung der ehrlichen Verbraucher (hey – wer sind denn die Leute die für die Restlichen 60% Umsatz sorgen?!?)
  • trotz beliebter/-knackter (ganz nach persönlichem Gusto) TV Sendungen wie “Deutschland sucht den Superstar” oder “Bundesvision Song Contest”
  • trotz solch beliebten Persönlichkeiten wie z.B. Bohlen, welcher mit seinen Beschimpfungen nicht nur die Studiokandidaten sondern auch sein treues Publikum tagein tagaus mit neuen Anregungen und Ideen aus dem Musikbizz versorgt

die Umsatzeinbußen zu verringern…

Verdammt – ich komm einfach nicht drauf, woran das liegen könnte… Ich meine – bei soviel Service für den Verbraucher!?!?

Ich hätte da noch ein paar gute Ideen für weitergehende Maßnahmen:

  • verbietet nicht nur den Mitschnitt aus Radio / Internet / TV / {…} sondern auch das Pfeifen von Musik welche man gerade zuvor im Radio gehört hat (oder verlangt zumindest GEMA Gebühren dafür!
  • Formatiert beim Einlegen einer (legal gekauften!) Musik CD automatisch die Festplatte des jeweiligen Rechners – eine Musik CD gehört eben einfach nicht in einem PC sondern ausschließlich in eine DRM kompatible Stereoanlage.
  • Zwingt die Musikkäufer sich persönlich zu registrieren! Das könnte in etwa so aussehen: Man kauft im Laden nur noch leere CD Hüllen. Darin enthalten ist ein Registrierungsformular welches man mit Lichtbild, Fingerabdruck und polizeilichem Führungszeugnis sowie dem Namen des Internetproviders (wahlweise noch mit MAC Adresse der Netzwerkkarte – oder sofern vorhanden der festen IP Adresse) an die Plattenverlage sendet. Erst dann erhält man die CD zugeschickt.
  • Man könnte die Konsumenten auch zwingen, sich per RFID-Implantat zu identifizieren. Vorteil dabei: Man könnte die Personen länderübergreifend in einer großen Datenbank führen, und so ihre Bewegungen verfolgen. Fährt nun ein Konsument in eine Region welche für eine hohe Raubkopiererquote bekannt ist, wird einem beim Grenzübergang ein freundlicher Mitarbeiter der Phonoindustrie zur Seite gestellt – welcher einen dann überwacht und ggf. Strafanzeige erstattet.

Das lässt sich noch endlos weiter fortsetzen. Oder ich lassen es einfach und kaufen keine CDs mehr von denen ich weiß das sie

  • meinen PC aktiv gefährden durch die Installation von dubiosen Programmen
  • in meinem CD Player nicht abspielbar sind da sie einen Kopierschutz haben, welcher so effektiv gegen die Norm verstößt, das mein CD Player die Zusammenarbeit verweigert
  • generell mich als Kunden unter “Generalverdacht” stellen

Denkt mal drüber nach, my two cents!

PS: Wer Ironie findet, darf sie behalten.

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