Das Übel der Verschlüsselung (I)

Ich erinnere mich noch an eine Diskussion die ich mit einem damals sehr guten Freund aus der Kindheit führte. Es ging um das Thema Verschlüsselung von E-Mail-Inhalten. Er war der Meinung, dass eine Verschlüsselung aus seiner Sicht sinnlos sei und begründete das mit dem Argument, dass er nichts zu verbergen hätte und ruhig jeder seine E-Mails lesen kannt.

Diese Diskussion ist nun schon mehr als 12 Jahre her und sie hat mich irgendwo geprägt. Ich gestehe, dass ich damals erschüttert war und mir überlegt habe, wie jemand, der ein unheimlich gutes Verständnis für die Realität hat so realitätsfremd urteilen konnte.

Im Nachhinein gestehe ich, dass ich es noch immer nicht weiß. Meine Meinung zum Thema Mailverschlüsselung hat sich in den Jahren danach nicht geändert und ich kann nur jeden beglückwünschen, der auch auf den Zug aufspringt.

Denn eins ist klar: Es ist heute keine Frage der Kosten mehr, Mailverkehr durch gute Verschlüsselungssoftware abzusichern. Auch der Schlüsseltausch nach dem Public Key Encryption Verfahren ist weniger ein Problem.

Was bedeutet es denn, wenn jemand fremdes die eigenen E-Mails ließt? Für mich ist das nicht akzeptabel, auch wenn es sich (selten) um sensible Informationen handelt. Schreibe ich eine Email, ist diese zu 95% für genau eine Person bestimmt. Warum sollten das andere lesen dürfen?

Es gibt mit Sicherheit dokumentierte Fälle (google ist dein Freund!), dass Personen ihre Kompetenz überschreiten und unbefugt die E-Mails dritter lesen. Banken reagieren häufig damit, dass Sie genau für diese Fälle eine Mailsignatur an ausgehende E-Mails ankleben, in der sinngemäß steht, dass dritte eben nicht befugt sind, die Email zu lesen.

Ob es nach normalbürgerlichem (ich rede hier nicht von Juristen!) Ermessen sinnvoll ist, das “Disclaimer” am Ende einer solchen E-Mail zu veröffentlichen – das Kleingedruckte steht also am Ende der E-Mail, nach dem Haupttext – sei mal dahingestellt sein…

Dennoch bleibe ich dabei: Verschlüsselung löst auch dieses Problem denn wenn eine E-Mail verschlüsselt versendet wird, kann ruhig ein dritter die Mail lesen. Mit den ihm sichtbaren scrambled eggs kann er wenig anfangen.

Happy sniffing.

PS: Ob mein damaliger Freund seine Meinung mittlerweile geändert hat, ist mir nicht bekannt.

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