Da soll noch mal einer sagen, Trash könnte sich nicht entwickeln. An einem Samstag morgen im November stehe ich so um etwa zehn nach sechs Uhr morgens an einer Haltestelle der Üstra und höre mir die gerade am Vortag eingetroffene CD Expansion der Gruppe [re:jazz] und warte auf die Bahn.
Am Horizont erscheint eine Gruppe von drei Personen und es stellt sich schnell heraus, dass es sich um spätpupertierende Jugendliche handelt. Zu ihnen gesellt sich ein Gemisch aus dumpfen Bässen (“…wumpp-wumpp-wumpp…”) und Fragmenten einer männlichen Stimme (“…they try to catch me run dirty…”).
Beide (die Gruppe und das Gemisch) kommen schnell näher und schnell wird mir klar, dass es nicht die Gruppe ist welche mich stört, sondern das Handy des einen, der mit einer Lautstärke “lauter als laut” nicht nur seine Umgebung sondern halb Mittelfeld beschallt.
Interessanterweise verweilen die drei direkt neben mir und drehen die Lautstärke noch mal richtig auf. Der Typ mit dem Handy steht und singt unterdessen mit, die andere sitzen derweilen und wippen (ultra cool) mit dem Fuß im Takt.
An ruhigen Musikgenuss ist derweilen nicht mehr zudenken und so schalte ich mein Audiowiedergabegerät ab.
Ich erkläre es mir so, dass diese Jugendlichen die Endstufe dessen sind, was ich als Evolution der Trashkiddies bezeichnen würde:
Der Jugendliche so wie ich ihn kenne (und von mir behaupte selbst so einer gewesen zu sein) hatte zwar auch schon Walkman & Co, bevorzugte es aber die Audioaufnahme über Kopfhörer zu realisieren. Gut, die Nachfolgegeneration “Handy” machte es uns nach, jedoch in so einer Lautstärke, dass sie schon mal den ganzen Bus oder die halbe Bahn mit Musik versorgen konnte – wohl gemerkt: durch die im Ohr steckenden Kopfhörer!
Die Nachfolgegeneration “iPod” wurde “genetisch” ertaubt geboren, hatte also nie die Chance, Musikgenuss via Kopfhörer zu erleben. Auf diese Entwicklung reagierte die Unterhaltungsindustrie, in dem sie ihre Produkte mit integrierten “Quäle deine Umwelt” (QdU) Funktionen wie Subwoofer, Ultra-7.1 Sound oder Bassboxen ausstattete, die ihre Wirkung nicht verfehlen.
Ich bin ein Opfer dieser Entwicklung. Aber wenn man jetzt nach Opferschutz schreit, verkennt die Situation total. Denn nach etwas zu schreien, was es nie geben wird, ist ein Stückweit Utopie.
Ach ja. Das war an diesem Tag kein Einzelfall: Auf der Zugfahrt saßen mir zwei Jugendliche gegenüber, die ebenfalls fleißig mit der QdU experimentierten. Ebenso auf der Rückfahrt. Hier war es ein Mädchen das die Bahn unterhielt.
Es ist also bereits zu spät, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Also heißt es nun “face the consequences!”.
Happy new Year!
No Comments on "Evolution der Trashkiddies"