Entweder bin ich zu blöd oder die Welt ist inkompatibel geworden. Heute auf der Rückfahrt wollte ich mir ein Ticket beim Busfahrer kaufen, steckte zu diesem Zweck meine Chip-Karte in seine Ticket-Maschine und meldete mich mit den Worten “Einmal für eins-achzig bitte.”
Darauf hin tippte der Busfahrer auf seinem Ticketgerät umher, es erschien der gewünschte Betrag im Display und ich drückte auf den feierabendfreuend den “Bestätigen”-Knopf. Das hätte ich sein lassen sollen, es riss nicht nur die Firmware des Gerätes mit in den Abgrund sondern auch die gute Laune des Busfahrers.
Nach ca. zwei Minuten wilden Rumtippens seitens des Busfahrers auf seinem Ticketgerät (ich konnte schon das wüste Geschimpfe über die Verspätung der anderen Fahrgäste vernehmen) meinte ich dann ich könne auch Bar zahlen und legte ein Zweieuro-Stück auf seine Geldschale.
Tja, so einfach, wie man sich das als Fahrgast oft denkt, ist das dann doch nicht. Er könne mir jetzt kein Ticket verkaufen, das Gerät sei gerade abgestürzt. Ich solle doch bitte durchgehen und bei nächster Gelegenheit ein Ticket kaufen. Artig bedankte ich mich, und zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass abgestürzte Computer doch einen konkreten Sinn haben.
Am Hauptbahnhof ausgestiegen ging ich noch überwältigt von der Freundlichkeit des Busfahrers zu dem kleinen Fahrkartenhäuschen und wollte dort das Ticket für meine Weiterfahrt kaufen. Auch hier stellt sich das der einfache Fahrgast simpler vor, als es in Wirklichkeit ist:
Die an den Feierabend denkende Verkäufern war nicht unbedingt erbaut darüber, das ich etwas von ihr wollte, sie öffnete dann aber doch die “bitte-hier-kein-Müll-reinwerfen” Luke.
Ich wiederholte meine Bitte von der Busfahrt und meinte “Einmal für eins-achzig bitte”. Das irritierte sie dermaßen, das sie irgendwelches Zeug in den Computer hackte und ca. zwei Meter Fahrkarten am Stück ausdrucken ließ. Anschließend muss wohl die am Bildschirm Anzahl der Nullen beim Fahrpreis vor dem Komma irritiert haben, sie fragte dann zumindest “Wie – für zehn-achzig?”. Ich wiederholte meine Bitte und traf damit aber auf Unverständnis.
“Wir haben nur Fahrkarten für Eins-neunzig. Oder sechsstück”. Da ich aber keine sechs Karten haben wollte und bereits das Zweieurostück auf den Tresen gelegt hatte, wollte ich von ihr wissen, wieso denn die Karte zehn Cent mehr als im Bus kostete.
Es war bereits 19:50 Uhr und sie war wahrscheinlich nur noch zehn Minuten vom Feierabend entfernt. Dem entgegen machte sie aber den Eindruck, als sei bereits seit ca. 45 Minuten im “geistigen”.
Da sie mir auf meine Frage nach der Preisdifferenz keine überzeugende Antwort geben konnte und mein ungläubiges Gesicht bei ihr die gute Feierabendlaune merklich sinken ließ, schnappte ich mir die zwei Euro und verließ die Szene Richtung Kröpke wo ich an der nächsten Tix-Säule mit Chipkarte ein Eins-achzig Ticket zog.
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