Schon oft habe ich den Wunsch geäußert mal einen Bonsai mein eigen nennen zu dürfen. Zum Geburtstag war es dann endlich soweit und seit dem bin ich um ein interessantes Hobby reicher
Mein größtes Problem als frisch gebackener Bonsaibesitzer ist, dass ich absolut keine Erfahrungen mit dieser Spezies habe und mich erst einmal einarbeiten muss. Das gestaltet sich aber relativ schwer denn wie fast alles, was seine Wurzeln in Japan hat (*haha*) gibt es nicht einfach nur so einen Bonsai sondern ist der Bonsai eine Lebensphilosophie und eine Wissenschaft für sich.
Mein erster Irrtum war dass ich bis dato das Wort “Bonsai” immer für etwas ähnliches wie “kleiner Baum” gehalten hatte. Wie so oft belehrte mich Wikipedia eines besseren und nun weiß ich, dass es eher “Anpflanzung in der Schale” (jap.) bzw. “Landschaft in der Schale” (chin.) heißt.
Eine meiner ersten Ausflüge in Sachen Bonsai ging auf bonsai.de und in das dort beheimatete Forum. Zuerst viel mir der Beitrag von dem “Foren-Spezialisten” Holger auf, der mir unter dem Punkt Bonsai-Anfänger die wesentlichen Züge erklärte. Die dort als Dünger erwähnten Dinge kannte ich noch aus dem Chemieunterricht, wusste aber nicht mehr ob der Neben-/Wechselwirkungen und begann zu verzweifeln.
Dort musste ich auch schmerzhaft lernen, dass ich nicht einmal wusste, um genau welche Baumart es sich bei meinem kleinen handelte. Der Aufkleber auf der Bonsaischale erzählte mir etwas von “Fic Mi Ginseng” und laut beiliegendem Beipackzettel war die Pflege auch sehr einfach:
- Heller Standort, kein direktes Licht
- 18-22 Grad, aber nie unter 15 Grad
- Beim Umtopfen Bonsaierde Verwenden
- März bis Oktober muss die Erde ständig feucht gehalten werden
- Nur zwischen März und August sollte der Bonsai beschnitten werden
Dennoch traf ich dort im Forum viele Personen denen es ähnlich wie mir ging – die also absolut keine Ahnung hatten.
Soweit so gut. Inzwischen waren schon ein paar Wochen vergangen und der kleine Bonsai schien mich mit einer Art geduldeter Akzeptanz belegt zu haben. Er ertrug stillschweigend meine Anfängerfehler und ich gab ihm fleißig zutrinken und der Einfachheit halber den Namen Hugo.
Mein Problem mit Hugo zu dieser Zeit war, dass er meine Erdbefeuchtungsversuche mit zahlreichen losen Blättern quittierte. Gleichzeitig trieb er aus. Erschwerend kam hinzu, dass ich weder im Beipackzettel noch in dem Forum feststellen konnte, welche der ca. 10 Sorten Erde und welches der ca. 15 verschiedenen Düngemittel Hugo haben wollte.
Also versuchte ich wie ein Ginseng zu denken und fragte mich was ich wohl toll finden würde. Ich entschied mich für Bimskies als Drainagegrundlage, eine Mischung aus “Standardmischung” und Akadama (natürlich doppelt gebrannt gegen Schädlingsbefall, 10-25er Körnung) als Erdgrundlage und eine Mischung aus BIO C2 Streudünger und Flüssigdünger als Wachstumsbeschleuniger.
Gegen den Austrieb habe ich noch zusätzlich die Bonsaischere und Lac Balsam gegen die offenen Schnittwunden bestellt.
Kurz vor der Bestellung viel mir noch auf, dass vereinzelt Blätter weiße Punkte aufwiesen und es im Erdreich etwas krabbelte. Also noch schnell das Lizetan “Antikrabbel” mitbestellt…
Mit etwas Glück kommt das ganze am Mittwoch oder Donnerstag per Post. Der arme Postbote wird sich bedanken über die Lieferung.
Ich werde am Ball bleiben und ab und an von Hugo berichten.
14/01/2007 at 20:44 Permalink
„Bonsai“ oder „Die Machtlosigkeit der Natur“
Ist es nicht faszinierend?
Nehmen wir als Beispiel mal eine deutsche Eiche. In freier Natur riesig groß, Heimat zahlloser Lebensarten, Brutstätte und Nistplatz putzigen Gefieders, ökologischer Katalysator, Lieferant für Brenn- und Nutzholz.
Nun kommt der Mensch daher und kann, nur mit einer Nagelschere bewaffnet, dieses normalerweise unbändige Wunder der Natur im Zaume halten und den mächtigen Baum als kleinwüchsige Tischdekoration namens Bonsai kultivieren! Ist das nicht erschreckend? Es bedarf nur einer Nagelschere um der Natur ein Schnitt…. Ähhmm.. Schnippchen zu schlagen?
Nun denn, mit diesem philosophischen Ansatz könnte man sicher eine mehrstündige Diskussion eröffnen, aber wer will das schon?
)
Wenn „Bonsai“ allerdings „Landschaft in einer Schale“ bedeutet… gehört dann zu einer Landschaft nicht auch im Erdreich krabbelndes Getier? Ich meine… in so einer Landschaft kreucht und fleucht es doch… ist es dann nicht paradox dem Krabbelzeugs den Garaus zu machen? Da sich ein Hirsch, Hase oder Säbelzahntiger mittels Nagelschere freiwillig nicht ganz so einfach auf Bonsai-typische Größe minimieren lässt, könnte dieses krabbelnde Getier doch einen ökologischen Kreislauf am ehesten imitieren.
Bei dem Namen „Fic mi Ginseng“ hätte ich im übrigen im ersten Moment nicht unbedingt an einen Baum gedacht. Aus Gründen der freiwilligen Selbstkontrolle möchte ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, an was genau ich eher gedacht hätte.
Nun denn, momentan sieht Hugo mit seinem Afrob-Blattwerk etwas wüst aus, ich bin auf das Ergebnis nach der ersten Rasur gespannt!
Liebe Grüße…
Carsten
14/01/2007 at 21:13 Permalink
Hallo Carsten.
Du hast im Prinzip schon recht, aber bevor sich der Mensch die Nagelschere schnappen kann, hat der japanische Großmeister den Bonsai-Onlineshop als erste Hürde gesetzt. Hier muss der Mensch erst einmal diverse Sorten Erde, Dünger, “Krabbelvernichter” etc. besorgen, bevor er überhaupt die Chance hat, eine Nagelschere in die Hand zu nehmen. Ich hoffe derzeit dass mir Hugo die Anfängerfehler verzeiht und noch genug Blätter dran sind, wenn das Powerfutter für den kleinen hier eintrifft…
Was den Namen “Fic mi Ginseng” angeht hab ich gerade einen üblen Lachkrampf überwunden. Ob man es glaubt oder nicht – so hab ich das mit dem Namen noch nicht gesehen
Bezüglich der geplanten Vernichtungsaktion mit “KrabbelEx” so geht das zurück bis auf die Stelle, wo ich geschrieben habe ich hätte mich gedanklich in den Bonsai hinein versetzt. Da ist mir erst einmal aufgefallen wie gemein das ist, wenn man ewig stehen muss und unten am Fuß kitzelt ne Laus… Das Pflanzenmittel “NuclearFirstStrike” wird laut Bonsai-Forum nicht für junge Bonsai empfohlen.
Gruß – Christian
18/01/2007 at 16:16 Permalink
öhm, du willst Hugo Flüssigdünger als Wachstumsbeschleuniger geben??? Ist das nicht irgendwie paradox, denn anschließend musst du ihm doch wieder mit der Nagelschere an die Wurzeln gehen
19/01/2007 at 15:29 Permalink
Mehr Dünger, mehr Fun
Das schöne an diesem Hobby ist, dass man die Geschwindigkeit mit der man ran muss selbst bestimmen kann
Spaß beiseite – als ich im Bonsai-Shop bestellt habe, war ich in Panik da mir die Forengurus diverse chemische Wachstumsbeschleuniger um die Ohren geknallt haben. Und man will ja nicht *out* sein.