Regel #1: Jede Aktion führt zu weiteren Aktionen
Es gibt (hoffentlich?!) Leute die – wie ich – totale Klamottenkauf-Muffel sind. Diese werden mich verstehen wenn ich meine Erfahrungen im Umgang mit dieser ungeliebten Tätigkeit schildere.Normalerweise laufe ich einmal im Jahr los, getrieben von der Einsicht, dass meine alten Klamotten qualitativ dem Vergleich zu pompös spotten. Erfahrungsgemäß aus einer Kurzschlusslaune heraus stürme ich in die City, genau wissend was ich will, wo ich das bekomme und das möglichst wenig Zeit damit verbringen will, nach Alternativen zu suchen.
Um so erstaunter bin ich immer wieder wie leicht einige Leute die Klamottenläden stürmen.
Angeblich hat eine gehört, wie jemand gesehen hat, das eine Verkäuferin deren Schwester dessen Oma ihr Fensterputzer behauptet hat, es gäbe Teil X in diesem Laden besonders günstig oder wenigstens 10% billiger gegenüber dem Internetpreis. Und man will ja nur dieses eine Teil kaufen. Sonst nix. Versprochen. Hoch und heilig. Ganz bestimmt. Ich schwör’ dir ey.
Ist man aber erst mal in der Shoppingwelt, setzen beim Betreten die für Vernunft und Logik zuständigen Rezeptoren aus und es greifen die Regeln der Einkaufspsychologen die uns dazu verleiten alles toll und großartig zu finden.
Mir fehlt geburtsmäßig der Bewusstseinsrezeptor für trendbewusstes und modisches Verhalten und so habe ich die einmalige Chance, ein Schauspiel sondergleichen zu beobachten. Da dieses Triebverhalten durch Menschenhand beeinflusst wird und der normal denkende Verbrauchersteuerungsbeauftragte in DIN Normen denkt, verläuft dieses Schauspiel immer nach der gleichen Regel: Jede Aktion führt zur nächsten.
Einstiegsdroge ist die Information. Wie oben beschrieben geht es um fünf, zehn oder mehr Prozente auf Teil X. Und wie oben beschrieben will man auch nur dieses Teil und nix anderes. Ist man im Laden führt der Weg zu Teil X vorbei an anderen Teilen die unabhängig von Teil X eine Faszination ausüben. Und hat der Verbrauchersteuerungsbeauftragte seinen Job richtig gemacht, liegt Teil X nicht etwa Nähe Eingang/Ausgang/Kasse sondern hinten, mitten drin im Laden. Mein Ansatz nun wäre folgender: Teil X ist gefunden und wir können bezahlen und gehen. “Geht nicht” ist die logische Antwort da zu Teil X noch ein passendes Unterteil Y besorgt werden muss.
Farblich hätte man nix vergleichbares zu Hause und da der Verbrauchersteuerungsbeauftragte seinen Job in diesem Laden extrem gut gemacht hat, liegt Unterteil Y an einer anderen Stelle im Laden. Und nun sind wir wieder beim Rolltreppen-Effekt.
(Habt ihr euch mal gefragt warum in vielen Kaufhallen die Rolltreppen nach unten nicht unmittelbar nebeneinander liegen sondern man auf einigen Etagen die Rolltreppenanlage einmal umrunden muss um zur nächst passenden Treppe zu gelangen? Aus Feuerschutzbestimmungen? Klar…
)
Sind wir erst einmal im Laden müssen wir auf Grund der psychologischen Geisteshaltung des Verbrauchersteuerungsbeauftragten so lange wie möglich im Laden verbleiben. Ich bin mir sicher: es existieren Studien die besagen dass die prozentuale Wahrscheinlichkeit das etwas gekauft wird mit zunehmender Verweildauer des Kunden/der Kundin im Laden steigt.
Warum mir das alles auffällt?
Nun, ich fühle mich in diesen Klamottenläden unwohl – auch wenn ich etwas für mich suche.
Das mag durchaus psychologisch bedingt sein. Ich behaupte aber gerne, dass ich die Steuerung der Einkaufspsychologen durchschaue, weil ich nicht zu deren Zielgruppe gehöre. Sie wollen mich nicht im Laden haben da ich die Bestrebung habe, den Laden schnellstmöglich zu verlassen und eventuell andere Personen motiviere, das gleiche zu tun. Ich bin quasi der GAU für den Verbrauchersteuerungsbeauftragten. Und da es kaum eine Branche gibt, die ihre psychologischen Manipulationen so schlecht für Uninteressierte tarnt, habe ich leichtes Spiel
Argumente wie “Du willst doch gut aussehen” oder “du willst doch gut riechen” ziehen bei mir nicht. Weder behaupte ich von mir schlecht auszusehen noch schlecht zu riechen. Das ist zugegeben sehr subjektiv betrachtet aber auch bei dieser Argumentation habe ich wieder den Vorteil auf meiner Seite: eure subjektive Meinung ist mir scheiß egal
Und was hilft es mir, für andere gut auszusehen aber mich selbst unwohl zu fühlen weil ich einem “Trend” hinterher laufe,
- den andere besser kopieren können als ich
- der mich zu etwas macht was ich nicht bin
- der mich zu etwas macht was ich nicht sein will
- bei dem ich mich unwohl fühle?
Und nun, geht shoppen und urteilt selbst.