Spaß mit der Packstation

Ich bin ein technikfreundlicher Mensch. Eine neue Entwicklung? Ok, versuchen wir es mal. Ein neuer Service? Hey cool, wo unterschreibe ich? Etwas das die Welt nicht braucht aber man kann es an den USB Port des Computers anschließen? Wo bestelle ich? Eben diese Einstellung führte mich eines Tages zur Packstation mit der DHL seit einiger Zeit für den Abbau von Postfilialen wirbt. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Kostet mich weniger Porto, noch keine Warteschlangen, hat auch während der Mittagszeit zwischen 13 und 15 Uhr und nach 18 Uhr geöffnet und man kann auf Knopfdruck mit einer(m) freundlichen Supportmitarbeiter(in) über Gott und die Welt Pakete quatschen.

So wurde ich spontan ein Fan dieser modernen gelben Boxen, welche sich zumindest bei uns so harmonisch in das weitgehend durch grünes Unkraut und die stinkenden Mülltonnen der Nachbarschaft geprägte Umfeld einfügt. So bestellte ich konsequenterweise schnell per Internet mein persönliches Willkommenspaket bestehend aus diversen Werbematerialien meiner “Goldcard” und natürlich dem Pin, der mir die Welt der Packstationen zu Füßen legt und mich bei jedem Paketversand wenigstens einen Euro Versand sparen lässt.

Irgendwo habe ich dann offenbar im Kleingedruckten überlesen, das ich dadurch Teilnehmer an einem groß angelegten BETA Test wurde. Anders kann ich mir nicht erklären, wieso mich meine Bestellung bei Conrad bis heute noch nicht erreicht hat.

Aber der Reihe nach: Die Bestellung stand von Anfang an unter keinem guten Stern – Conrad brauchte zwei Tage um meine Onlinebestellung aus dem Warenlager in eine Pappbox zu legen, mit meinem Adressaufkleber zu versehen und dem freundlichen DHL Transportfahrer zu übergeben. Die Track and Trace Nummer verriet mir von da an den Weg quer durch Deutschland – ein Weg der mich nie erreichen sollte.

Am Donnerstag erhalte ich von Conrad die Email das die Ware nun versendet worden sei. Da ich von DHL einiges an Geschwindigkeit gewöhnt bin, denke ich so bei mir das es ja eventuell am Samstag zugestellt werden sollte. Böser Fehler. Spannend verfolge ich per Track and Trace den Weg, aktualisiere etwa alle fünf Minuten die Webansicht um genau im Bild zu sein, wenn der DHL Fahrer mal seine Kaffeeblase entleeren muss und so ungeplante Auslieferungsverzögerungen verursachen würde. Am Samstag werde ich langsam nervös, DHL plant offenbar die Sendung nicht auszuliefern – sie verweilt noch in irgend so einem ominösen “Paketzentrum” – offenbar nicht meins. Naja, gut am Sonntag wird wohl kaum ein DHL Mitarbeiter mein Paket bewegen also heißt es ausschlafen.

Am Montag dann erhalte ich endlich gegen 10:28 Uhr pünktlich zum zweiten Frühstück die erlösende SMS das ein Paket für mich eingetroffen und bereit zur Abholung sei. Ich mache an diesem Tag extra früher Feierabend und treffe gegen 17:56 Uhr an der Packstation ein. Nach erfolgreichem Login werde ich begrüßt und es öffnet sich ein…

… leeres Fach.

Track and Trace Ich werde kreidebleich. Was war das? Internationale Verschwörungen? Sind die Conradkataloge mittlerweile so begehrt, das sich japanische Samurai beauftragt durch Kubanische Hintermänner auf den Weg gemacht haben, mein PACKSTATION Fach geknackt und den Inhalt entnommen haben? Verdammt – wie weise ich nun nach, dass ich kein Paket erhalten habe? Ich drücke den Hotlinebutton an der Packstation es tutet. Es meldet sich glücklicherweise noch eine Dame die zwar etwas ungläubig aber dennoch freundlich meine Story anhört und dann sinngemäß etwas sagt wie “Ok, ich habe nun Ihre Daten und werde das zuständige Paketzentrum verständigen”. Spontan denke ich das ich dem ominösen Paketzentrum am Samstag sowieso nicht über den Weg getraut habe und schon Suchtrupps mit Spürhunden los senden wollte. Egal ich schweife ab. Also heißt es nun für mich warten, vertrauen, hoffen, beten, weinen und verzweifeln.

Die Nacht über schlafe ich schlecht und den Dienstag über bin ich schon ganz hibbelig ob das Paketzentrum sich erbarmen wird, sich bei mir zu melden.

Nö – wollen die nicht.

Aus diesem Grund eile ich nach Hause und rufe die Hotline an. Nach dem ich der Hotlinefrau meine Lebensgeschichte offenbart habe, sagt sie mir das sie für mich nix tun könne und mich mit dem Packstationsteam verbinden würde. Gesagt getan. Es tutet und auch der dann abnehmenden Dame erzähle ich die Story dass ich ein leeres Fach vorgefunden hätte. Sie schaut in ihrem Computer und findet dort das Protokoll meines Telefonanrufs vom Montagabend. Wahrscheinlich steht da was von “Spinner! Ruft an und will uns bescheißen – NICHT AUF IHN HÖREN – ANSTALT IST INFORMIERT!“. Jedenfalls verspricht auch die sich darum zu kümmern – mehr Infos hat sie nicht für mich. Zur gleichen Zeit prüfe ich den Lieferstatus über DHL Track and Trace und finde dort für die Paketnummer zwei Einträge. Es wird spannend. Da steht unter Status “Abholung der Sendung erfolgreich” und bei Datum “20.08.07 13:21″. Tack and Trace

Bitte was?

Oh, ja, sie sehe auch gerade dass das Paket nicht mehr dem Zustellkreislauf zugeführt worden sei sondern abgeholt worden sei. Sie bitte mich mal beim Lieferanten anzurufen, das Paket sei dort wahrscheinlich heute zugestellt worden.

Bitte was??

Gut, ich beende das Gespräch und rufe bei Conrad an wo eine freundliche Hotlinemitarbeiterin mir erklärt – Ja, das Paket sei gerade eingetroffen, vermerkt mit “Annahme verweigert”.

Bitte was???

Wir einigen uns darauf, das Paket noch einmal zu senden. Die Dame vermerkt wahrscheinlich noch ein “VOLLIDIOT – PRODUZIERT HORRENDE PORTOKOSTEN – ANSTALT IST INFORMIERT!” in meinem Kundenprofil und verabschiedet mich freundlich. Nun warte ich.

Fakt ist – nach allem was ich bisher weiß – das Paket lag in meiner PACKSTATION am Montag von 10:28 bis 13:21 Uhr und wurde dann zurückgeschickt weil ich die Annahme verweigert habe… Man lernt immer wieder dazu ;-)

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