In dieser schweren Zeit gehören unsere Gedanken und das Mitgefühl den Opfern und den Betroffenen. Die Tat von K. ist vor allem eins: Überflüssig. Es gibt weder eine Entschuldigung noch eine Begründung für das was K. an Leid über seine Opfer gebracht hat. Also kaum einen besseren Zeitpunkt für billigsten Populismus á la Dieter Schwind oder seinen Kollegen Herrmann?
Was diese Herren von Anfang an auszeichnete, ist ihre Fähigkeit, sich in unpassenden Situationen in den Vordergrund zu spielen. Der Aufruf zum Verbot von “Killerspielen” ist so alt wie diese Art von Spielen am Markt existieren. Man mag sie oder man ist gegen sie, es gibt kaum jemanden der bei so einem polarisierenden Thema neutral bleibt.
Killerspiele waren und sind jedoch nicht der Auslöser der Problematik. Sie sind nur ein mehr oder weniger großes Teil des Ganzen. Es besteht Generationenübergreifend Konsens dass ein Computerspiel welches die Hinrichtung einer oder mehrerer Personen simuliert nicht in die Hände von Kindern oder Jugendlichen gehört. Fakt ist aber auch, dass so ein Spiel (wenn es existiert) in Deutschland nicht ohne weiteres den Jugendlichen zugänglich gemacht wird.
Landet ein solches Spiel z.B. auf dem “Index” für jugendgefährdende Medien ist der Markt für so ein Spiel faktisch nicht mehr vorhanden.
Eine Argumentation wie von Schwind angeführt, lenkt von der Unzulänglichkeit der Eltern ab. Sie haben bei der Erziehung versagt. Eine Person welche (legal) Waffen besitzt und diese – durch Unachtsamkeit oder mit voller Absicht – Unbefugten Dritten zugänglich macht, trägt die alleinige moralische Verantwortung. Gerade wenn es sich um die eigene Tochter oder den eigenen Sohn handelt welche/r unbefugt Zugriff auf Waffen und Munition hat.
Diese von deutschen Politikern betriebene Ablenkung ist speziell in diesem Fall inakzeptabel. Wenn Schwind als Argument ins Feld führt, dass K.s Verhalten bei der Flucht der in Spielen wie Counter Strike oder Crysis ähnelte so bleibt hier ein fahler Beigeschmack. Er hätte genauso Namen wie James Bond, Steven Seagal oder andere Action-Filme nennen können. Hätte auch gepasst.
Fakt bleibt auch in K.s Fall: Es sind die Eltern, welche die Verantwortung für den Medienkonsum ihrer Töchter und Söhne tragen. Auch wenn dieses nur schwer von CDU/CSU eingesehen wird.
Immerhin konnte eine geforderte Verschärfung des Waffenbesitzrechtes K.s Tat nicht verhindern. Etwas mehr Realitätsnähe täte deutschen Politikern gut.
Ein Kommentator im heise Forum brachte die Polemik dieser Tage inhaltlich auf den Punkt: Unter der Übersichrift “93% aller Massenmörder haben in den zwei Wochen vor ihrer Tat Toastbrot gegessen”. fasste er seine Sicht der Dinge zusammen.
Die Konsequenz aus der Überschrift drängt sich dem Leser quasi auf:
Toastbrot verbieten.
13/03/2009 at 12:13 Permalink
Im Prinzip kann ich dem, was du hier schreibst, nur zustimmen.
Allerdings kann ich deine Aussage:
“Fakt bleibt auch in K.s Fall: Es sind die Eltern, welche die Verantwortung für den Medienkonsum ihrer Töchter und Söhne tragen”
nicht unkommentiert lassen.
Bis zu einem gewissen Alter ist es mir als Mutter/Vater möglich, Einfluss auf den Medienkonsum meines Kindes zu nehmen. Vielleicht sogar schaffe ich es, meinem Kind eine gewisse, selbstbestimmte Verantwortung anzuerziehen. Wenn ich es dann auch noch geschafft habe, mein Kind zu einem selbstbewusten, Verantwortung übernehmenden und hinterfragenden Jugendlichen zu erziehen, habe ich, denke ich, meinen Teil der Verantwortung getragen.
Worauf ich als Vater/Mutter dann keinen Einfluss mehr habe, ist die Auswahl der Freunde, also der tägliche Umgang meines Kindes. Ich kann nicht neben einem 16-/17-Jährigen stehen und schauen, was er macht.
Ich kann nur versuchen, zu reden, im Gespräch zu bleiben, mich zu interessieren.
Ab einem gewissen Alter ist ein Jugendlicher für sein Tun selbst verantwortlich und somit dann auch für die sich daraus ergebenden Konsequenzen.
14/03/2009 at 08:49 Permalink
Die Grundlagen der Erziehung und der Vermittlung von Werten erfolgt auch vor dem 16. Lebensjahr. Durch soziale Kontakte hat ein Kind noch eine gewisse Bindung. Was derzeit diskutiert wird, ist dass Kinder auf Grund ihres Medienkonsums sozial verarmen und dadurch anfällig für die in Medien dargestellte Gewalt sind.
15/03/2009 at 15:52 Permalink
Genau das habe ich versucht klarzumachen.
Einen 16-jährigen kann ich nicht mehr erziehen, der ist für sein Tun selbst verantworlich (etwas übrigens, was ich heute in allen Altersstufen vermisse, die meisten Menschen sind nicht bereit, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, die “Schuld” wird immer erstmal bei anderen gesucht !)
Natürlich ist es einfacher, sein Kind vor den Fernseher oder den PC zu setzen, als mit ihm zu spielen, vorzulesen, zu reden, zu lachen.
Durch einen hohen Medienkonsum ist eine soziale Verarmung mit Sicherheit vorprogrammiert.
15/03/2009 at 22:15 Permalink
Der erste Teil des Postings geht etwas an dem Blog-Toppic vorbei. Mein Ansatz ist es, das Kind nicht im Alter von 16 Jahren sonder von Anfang an zu betrachten. Der Hinweis, dass ein 16 jähriger begrenzt auf das hört, was seine Eltern ihm sagen, mag beim einen mehr, beim anderen weniger zutreffen ist aber auch egal.
Hat das Kind bis dahin nicht gelernt was Recht und was Unrecht ist, wird es ihm jenseits der 16 schwer zu vermitteln sein.
Was die Schuldfrage angeht … In dem Fall von K. ist es tatsächlich so, dass es der Vater war, welcher Waffen im Zugriffsbereich des Kindes hatte. Ob weg-/verschlossen oder nicht ist hier ausschließlich eine juristische Frage denn pragmatisch weiß man, will Kind etwas haben, kommt Kind dran.
Verfolgt man hier die Medien so wird das demnächst für die Internet-erprobten Kinds sogar noch einfacher, da die Politiker den Einsatz von Biometrie für Waffenschränke ins Gespräch gebracht haben.
Schäuble hat offenbar aus seinem Fingerabdruck-Fiasko nix gelernt.
Ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass derzeit nur über Amoklauf in Schulen gesprochen wird? Schulen sind bedroht, Schulen müssen sicherer gemacht werden …
Aber – was hindert einen Menschen daran, seine Waffe(n) in der nahegelegenen Fußgängerzone zu entleeren?